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Hypnobirthing - Wieviel Hypnose steckt im Hypnobirthing?

13.12.2016 

 

Hypnose zu praktizieren gehört ausschließlich in berufene Hände. Dass sie funktioniert, ist seit Jahrtausenden von Völkern auf der ganzen Welt bewiesen worden. Hypnose und die Mythen gehören zusammen, aber ...

für den Laien bleibt sie ein Buch mit sieben Siegeln.

Wieviel Hypnose steckt im Hypnobirthing? Dieses Frage können wir uns vorab beantworten, denn beim Hypnobirthing handelt es sich um eine Art von Selbsthypnose! Wenn zum Begriff Hypnose auch noch das ebenso sensible Thema Geburt kommt, sind die Medien voll davon.

Hypnobirthing ist ein großes Thema und wir möchten wissen, was es damit auf sich hat. Das Wunder Hypnose trifft auf das Wunder Geburt und wir fragen uns, ob das funktionieren kann. Zumindest haben vor Hypnose jeglicher Art sowie vor Geburtshilfe gehörigen Respekt.


Was ist Hypnose eigentlich und wie fühlt sich der Hypnotisierte?

Es ranken sich, wie gesagt, eine Menge Legenden um Hypnose und teilweise wird schlichtweg Unsinn darüber erzählt. Die komplexen Abläufe einer Hypnose zu erklären, überlassen wir den Wissenschaftlern.

Wichtig ist, mit einigen Ammenmärchen über Hypnose aufzuräumen und sich anzuschauen, wie sie auf Menschen wirkt.

Was ist Hypnose eigentlich und wie fühlt sich der Hypnotisierte? Lassen wir den speziellen Fall der Geburt einmal ganz außen vor. Während einer üblichen Hypnose-Sitzung fällt der Hypnotisierte nicht etwa in einen abwesenden Zustand.

Ganz im Gegenteil, er ist mehr als hier, er ist ganz bei sich selbst. Er entspannt sich sehr tief und sein Zustand ähnelt wohl dem eines Meditierenden.


Kein Wunder erscheint uns größer als das der Geburt

Obwohl dieses Wunder Tag für Tag unzählige Male auf der Welt geschieht, ist es immer wieder neu. Kein Wunder erscheint uns größer als das der Geburt.

Neun Monate warten die werdenden Eltern darauf und sie sehen das Kind dank modernster Technik in dieser Zeit schon immer deutlicher. Hochauflösender Ultraschall in der Pränatal-Diagnostik macht es möglich, dass selbst das kleine Gesicht ganz deutlich zu erkennen ist.

Wir sehen das Baby schon im Mutterleib still lächeln und unsere Herzen gehen ganz weit auf. Für werdende Mütter ist der schmerzlose und nicht belastende Ultraschall bereits Standard in der vorgeburtlichen Diagnostik.

Dazu werden Schwangerschaftskurse belegt und die können sich ganz schön unterscheiden. Während werdende Mütter einerseits das Hecheln und die richtige Kopfhaltung bei Presswehen erlernen, bereiten sich andere mit Hypnobirthing Kursen auf die Geburt vor.


Der englische Gynäkologe Grantly Dick-Read - Muskelgefühl statt Wehe

Auf der klassischen Schmerzskala zwischen 1 und 10 wählen viele Gebärende die 11, die es eigentlich gar nicht gibt. Denn sie erleiden vor allen Dingen während der Presswehen starke Schmerzen.

Gynäkologen auf aller Welt geben während der Wehen schmerzlindernde und krampflösende Mittel, machen eine Peridural-Anästhesie, führen eine Wassergeburt durch oder begleiten eine Geburt in der Hocke.

Aber Hypnose oder auch Selbsthypnose brachten die meisten von uns bisher nicht mit Geburt in Verbindung. Der englische Gynäkologe und Wissenschafter Grantly Dick-Read ist der Vater dieser ganz speziellen Vorbereitung auf die Geburt. Er ersetzte das Tabu-Wort Wehe durch den Begriff Muskelgefühl.

 

Weniger Schmerz durch Hypnobirthing - was geschieht eigentlich dabei?

Mehrere wissenschaftlich fundierte Studien zeigen auf, dass Frauen, die sich für Hypnobirthing entschieden, weniger Schmerzen erleiden mussten als andere

Eine dieser Studien stammt von der Uni Tübingen und sie zeigt auf, dass sich durch Hypnobirthing die durchschnittliche Dauer der Geburten deutlich verkürzte. Ganze zwei Stunden nämlich im Schnitt und alleine das ist ein klares Plus für diese Art von Geburt.

Immer mehr Gynäkologen und Hebammen befürworten das durch entsprechende Trainerinnen erlernte Hypnobirthing. Die Medikamentengaben für Gebärende sinken im Schnitt ebenfalls dadurch. In den Hypnobirthing-Kursen wird der Angst vor dem Schmerz aktiv begegnet.

Die Frau lernt, den Vorgängen in ihrem Körper auf ganz neue Art und Weise zu begegnen und Ängste sozusagen aufzulösen. Beim Hypnobirthing ist die Frau voll auf das kommende Geschehen konzentriert und der Partner ist sehr gerne gesehen und aktiv an der Vorbereitung beteiligt.


Angst hemmt den natürlichen Blutfluss

Um den vorrangigen Effekt des Hypnobirthing vereinfacht darzustellen: Angst hemmt den natürlichen Blutfluss und das erzeugt unnötige Verkrampfungen und Schmerzen während der Geburt.

Beim Hypnobirthing lernen die Teilnehmerinnen, diese Angst nach und nach aufzulösen und den Blutfluss in die richtige Richtung zu lenken. Richtung Gebärmutter, die dadurch optimal durchblutet wird, was eine schmerzärmere und kürzer andauernde Geburt begünstigt.

Das ist die Quintessenz dessen, was die werdende Mutter durch all die Summe der Maßnahmen beim Hypnobirthing erlernt. Vielleicht könnte diese Art der Geburtsvorbereitung auch als Reise zum Mittelpunkt des Lebens betrachtet werden. Denn die Frau ist dadurch immer genau dort präsent, wo sie sein sollte:

Sie ist ganz auf sich und die Geburt ihres Kindes fokussiert.

Bildquelle: pixabay.com @Clker-Free-Vector-Images

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.12.2016.

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won

      04.05.15

 

   Thema : Hypnose

 

"Mein Uterus ist eine Blume!" – Geburt ohne Schmerz

 

"Hypno-Birthing" ist der neue Trend. Sogar Herzogin Kate soll darauf vertraut haben. In Kursen lernen die Frauen, sich so zu entspannen, dass die Wehen nicht wehtun. Es scheint zu funktionieren.          Von Anette Dowideit

 

Als Anja Lachmann ihr erstes Kind bekam, lief alles nach Plan: Die Fruchtblase platzte. Krankenhaus, Wehen, PDA. Der Ehemann hielt ihr die Hand. Ein Arzt war da. Eine Hebamme. Es klingt nach einem perfekten Verlauf. Doch tatsächlich, sagt Anja Lachmann, habe sie etwas so Schlimmes wie diese Geburt noch nicht erlebt. "Ich hatte solche Angst", erzählt sie, "ich hab irgendwann nur noch geschrien: Holt das verdammte Ding aus mir raus!"

 

So weit, so normal: Ein Kind zu gebären ist so ziemlich das Schmerzhafteste, was einer Frau während ihres Lebens widerfährt – das glauben wir zumindest aus Filmen zu wissen und von den Heldengeschichten, mit denen junge Mütter am Spielplatzrand sich gegenseitig zu überbieten versuchen: Bei mir haben die Wehen drei Tage gedauert! Bei mir tat es am Schluss so weh, dass ich mir gewünscht habe, ich wäre tot! Bei mir ist alles gerissen, eine Stunde lang musste ich genäht werden!

 

Nichts dem Zufall überlassen

 

Kein Wunder, dass die Zahl der Kaiserschnitte in Deutschland so hoch ist. Jedes dritte Kind kommt operativ auf die Welt, das sind knapp 230.000 Kinder pro Jahr. Bei mindestens 5000 davon, so schätzt die Bertelsmann-Stiftung, steht dahinter die nackte Angst der Mütter.

 

"Wunschkaiserschnitt" heißen diese Eingriffe ohne medizinische Indikation umgangssprachlich, und nach Ansicht von Soziologen sind sie vorrangig ein Phänomen in gehobeneren Schichten: Gut ausgebildete Frauen, Anfang bis Mitte 30, beruflich erfolgreich, gewohnt, im Leben nichts dem Zufall zu überlassen, und fest entschlossen, das gefürchtete Naturereignis Geburt so gut es geht zu umgehen.

 

Rund 6000 Kinder sind nach der Methode in Deutschland geboren

 

In eben dieser Gruppe formiert sich seit einiger Zeit eine Gegenströmung mit dem esoterisch klingenden Namen "Hypno-Birthing". Die Teilnehmerinnen pilgern in Kurse, in denen sie hypnotisiert werden, trainieren zu Hause mit Meditations-CDs. Das Programm hat bundesweit Zulauf: Knapp 6000 Kinder seien bereits im deutschsprachigen Raum mit "Hypno-Birthing" geboren worden, schätzen die Erfinder des Programms, das aus den USA stammt. Bundesweit bieten demnach 145 "Hypno-Birthing"-Coaches Kurse und Einzeltrainings an. Und auch Herzogin Kate soll bei der Geburt ihrer Tochter (Link: http://www.welt.de/140431458) auf "Hypno-Birthing" vertraut haben.

 

Eine Naturheilpraxis (Link: http://www.naturpraxis-frey.de/) im Kölner Westen. Warme Holzböden, frische Blumen, viele Kerzen. Kursleiterin Mura Frey-Balke bietet Tee an. Im Behandlungsraum zeigt die Heilpraktikerin Filme: Frauen, die in Badewannen sitzen und scheinbar völlig entspannt ihre Kinder in die Welt gleiten lassen. Neben dem Fernseher liegt ein großer Sitzsack. Darin versinken die Kursteilnehmerinnen, während Mura Frey-Balke sie hypnotisiert. "Reise mit mir in ein Bild voller Schönheit und voller Frieden", so und ähnlich klingen die Anweisungen, die sie den Kurteilnehmerinnen mit sanfter Stimme zuflüstert.

 

Per CDs, mit denen die Frauen zu Hause üben, sollen sie sich die wichtigsten Regeln einprägen: Eine Geburt ist kein medizinisches Ereignis! Vertraue deinem Körper! Begrüße jede Geburtswelle – das Wort "Wehe" ist verboten, weil Wehe wie "Wehtun" klingt – mit Freude, sie bringt dich näher an dein Baby!

 

Dazu soll man sich Bilder im Kopf ausmalen: den Gebärmutterhals sollen die Frauen sich zum Beispiel als Gewinde aus Seidenbändern vorstellen, das während des Geburtsprozesses sanft auseinandergleitet.

 

Es geht darum, sich selbst in Trance zu versetzen

 

Kein Wunder, dass der eine oder andere werdende Vater erst einmal skeptisch ist, wenn die Frau an seiner Seite einen Kurs belegt – zumal die spezielle Geburtsvorbereitung nicht ganz billig ist: Zwischen 300 und 500 Euro kostet ein Gruppenkurs. Manche gesetzlichen Krankenkassen übernehmen einen Teil der Kosten, private Versicherungen zahlen häufig den kompletten Kurs.

 

Hypno-Birthing, allein der Name klingt für Skeptiker nach Hokuspokus, nach Show-Hypnose auf der Theaterbühne. "Es gibt viele Misskonzeptionen, was Hypnosetechniken angeht", sagt Frey-Balke. "Viele Leute befürchten, da würde jemand ein Pendel schwingen und sie müssten dann Dinge tun, die ihnen fremdbestimmt eingeflüstert werden." Tatsächlich, erklärt sie, gehe es um das Gegenteil: sich selbst in einen Trance-Zustand zu versetzen, sich aktiv entspannen zu lernen.

 

Dahinter stehen tatsächlich physiologisch erklärbare Wirkweisen: Wenn, wie häufig bei Geburten der Fall, die Frau sich vor Angst vor den Wehen verkrampft, entsteht Spannung in der Gebärmutter, die das Beckengewebe verkrampft, die Gebärmutter wird schlechter durchblutet. Das führt zu mehr Schmerz – und der wiederum zu mehr Angst vor der nächsten Wehe. Wer sich dagegen aktiv während der Wehen entspannt, so die Theorie, hat aus medizinischer Sicht zunächst gar keinen Grund, Schmerz zu empfinden.

 

Es gibt eine Reihe von Müttern, die berichten, dank Hypno-Birthing eine schmerzfreie Geburt erlebt zu haben. Zum Beispiel die Kölnerin Nicole Brand, die im vergangenen Sommer ihr erstes Baby bekam, einen mit viereinhalb Kilo außergewöhnlich schweren Jungen. Bei der Geburt hat sie ganz auf Medikamente verzichtet.

 

Nach der Methode werden Zähne gezogen – ohne Betäubung

 

"Ich habe mir während der Geburt die ganze Zeit die Bilder vorgestellt, die ich im Kurs gelernt habe", sagt die 33-Jährige. Den Uterus als Blume, deren Blätter sich während der Kontraktionen langsam auseinanderfalten, zum Beispiel. Weder Anja Lachmann, gelernte Bankerin, die in der Entwicklungszusammenarbeit arbeitet, noch ihr Mann, Pilot, hätten irgendeinen Bezug zu Esoterik, sagt sie. "Aber die wissenschaftliche Erklärung, wonach die Gebärmutter einfach nur ein Muskel ist, hat uns beide überzeugt."

 

Hypno-Birthing ist ein Mentaltraining: Wer sich über Wochen und Monate hinweg immer wieder sagt, dass die Geburt schön wird, empfindet sie dann möglicherweise auch nicht mehr als schmerzhaft. Es funktioniert wie bei einem Hochleistungssportler, der in den Tagen vor einem Wettrennen immer wieder dieselbe Strecke in Gedanken abfährt und sich dabei überzeugt, den Parcours perfekt meistern zu können.

 

"Diese Methode ist auch in anderen Medizinbereichen mittlerweile etabliert, zum Beispiel, um Zähne ohne Betäubung ziehen zu können, oder bei Chemotherapie zur Krebsbehandlung", sagt Helga Hüsken-Janßen, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Hypnose und Hypnosetherapie (DGH). "Glücklicherweise scheint diese alternative Art, Schmerz zu bewältigen, auf immer mehr Offenheit in der Gesellschaft zu stoßen. Wir werden zunehmend anerkannt und nicht mehr so sehr in der Esoterik-Ecke verortet wie noch vor einigen Jahren", sagt sie.

 

Auch rund 60 der beim DGH zertifizierten Hypnosetherapeuten bieten seit ein paar Jahren Geburtsvorbereitungskurse an, bei denen die Schwangeren lernen, sich selbst in einen tiefen Entspannungszustand zu versetzen. Dort heißt das Programm "HypnoMentale Geburtsvorbereitung". Vier bis sechs Sitzungen à 90 Minuten sind vorgesehen, etwa ebenso viele wie beim amerikanischen Programm.

 

"Welle" statt "Wehe", "Gebärmuttersiegel" statt "Schleimpfropf"

 

Der Unterschied, sagt Hüsken-Janßen, liege darin, dass bei ihren Kursen ein anderes Vokabular verwendet wird. Zum Hypno-Birthing, das eine amerikanische Mehrfachmutter namens Mary Mongan entwickelt hat, gehören Begriffe, die im Begleitbuch zum Kurs wie in einem Fremdsprachenkurs erklärt werden: "Welle" statt "Wehe", "Gebärmuttersiegel" statt "Schleimpfropf".

 

Anja Lachmann war ein typischer Fall für Hypno-Birthing. Ihre erste Geburt hatte sich bei ihr als derart traumatisch eingebrannt, dass sie während ihrer zweiten Schwangerschaft die drohende bevorstehende Geburt komplett ausblendete. "Ich habe weder den Kreißsaal besichtigt noch einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht. Ich hab mich noch nicht mal im Krankenhaus angemeldet, sondern bin einfach hingegangen, als die Wehen losgingen." Was die Geburt nicht besser machte, sagt sie heute.

 

Als sie vor vier Jahren das dritte Kind erwartete, wusste sie deshalb instinktiv, dass sie es diesmal anders angehen müsste, erzählt sie. Frey-Balke, die sie privat kannte, machte damals gerade ihre Ausbildung zum Hypno-Birthing-Coach, und überredete sie, das Programm an ihr üben zu können. "Wichtig ist vor allem, dass jede Frau sich selbst die Teile des Programms heraussucht, die ihr persönlich besonders nützen", sagt Anja Lachmann.

 

Und dann kam der Geburtstermin. Drei Tage lang hatte Anja Lachmann schon mit unkontrollierten Wehen im Krankenhaus verbracht, die Herztöne des Babys waren schlecht. Stundenlang war sie im Kreißsaal, lag in der Geburtsbadewanne. Als das Baby fast da war, eröffnete die junge, unerfahrene Hebamme, dass sie die Badewanne wieder verlassen müsse – und verließ dann auch noch das Zimmer, um Lachmanns Mann anzurufen.

 

Als die Hebamme aus dem Zimmer war, kam das Kind

 

"Ich habe es irgendwie geschafft, ruhig zu bleiben. Ich bin allein aus der Wanne raus und rüber auf die Liege, da muss das Köpfchen schon rausgeguckt haben", erzählt sie. Eine Presswehe später war das Baby auf der Welt, Anja Lachmann hatte es ganz allein geboren. "Ich war die ganze Zeit über total ruhig", sagt sie.

 

Könnte sie die Zeit zurückdrehen, zu ihrer ersten Schwangerschaft, dann hätte sie einen Wunsch an die Ärzte in den Krankenhäusern und die Hebammen, die Geburtsvorbereitungskurse geben: "Sie sollten weniger Zeit darauf verwenden zu erklären, was alles schiefgehen könnte und mit welchen Medikamenten man die Schmerzen bekämpfen kann – und dafür viel mehr vermitteln: ,Vertraut eurem Körper, er kann das schon!'"

 

Eigentlich verrückt, sagt sie, dass man das erst in einem Kurs wieder lernen muss.

 

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